Geschichte

(Zitate aus den Protokollbüchern des Burschenverein Obermenzing e.V. sind farbig gekennzeichnet und abgesetzt)

„Schon lange schlummerte der Wunsch in vielen Burschenherzen von Obermenzing einen Verein zu gründen und endlich am 6. Januar 1922 kam der Tag, ihn aufzuwecken. Mit einer 26köpfigen Burschenschaft kam am oben genannten Tage die Gründung zustande.“

Mit diesen Worten beginnt das erste Protokollbuch des Obermenzinger Burschenvereins. Zum ersten Vorstand wurde Peter Fenzl gewählt. Als Zweck des Vereins war in den ersten Statuten „Gesellige Zusammenkünfte und Aufrechterhaltung des Friedens“ genannt. Von Anbeginn hatte sich der Verein die Brauchtumspflege und insbesondere die Pflege und den Erhalt des Obermenzinger Maibaums zur Aufgabe gemacht.

„Jeder einzelne hatte natürlich den Wunsch, dass Obermenzing den schönsten Maibaum bekommen muss und das geht nur, wenn jeder sein möglichstes dabei tut und so kam man dabei zur Verteilung der Arbeiten,“

heißt es im Protokoll der ersten Sitzung am 18. März 1922. Als erstem Stifter des Maibaums wurde Hr. Mair Bauer zu Pipping durch ein dreifaches Hochleben lassen in der Versammlung am 20. Mai 1922 gedankt, womit der Bauer Wolfgang Grandl aus Pipping gemeint ist.

Nach diesem ersten Erfolg ging es in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15. Juli 1922 sogleich an das nächste Vorhaben. Nach der Wahl von Joseph Oberpriller zum neuen Vorsitzenden, kam die Burschenfahne zur Besprechung. Jedoch war der Kassenstand zu gering und so musste man nach langem Hin und Her den strittigen Punkt auf eine spätere Versammlung verschieben. Am 28. Mai 1923 kam der Wunsch nach einer Fahne erneut zur Sprache:

„Wenn auch unser 1. Vorstand anfangs zurückschreckte von den großen Kosten, so halfen doch die Mehrzahl der Anwesenden dazu, die Sache nicht so schnell wegzulegen wie vergangenes Jahr und man kam zu dem Entschluss eine Fahne durch Rohprodukte zu erhalten und nicht durch Geld.“

Schließlich, so heißt es im Protokollbuch, sei es leichter einen Zentner Korn als 100.000 Mark zu stiften. Die Fahnenweihe fand ein Jahr darauf am 25. Mai 1924 unter dem neuen Vorsitzenden Georg Fenzl statt.

Ausdruck in den Protokollen findet auch die politische Lage der damaligen Zeit. 1932 einigte man sich, von dem Kathreintanz „Abstand zu nehmen und lieber der Kassa das Geld zufließen zu lassen, denn bei der heutigen Zeit sei es schwer die Kassa zu verstärken.“ In der Generalversammlung am 1. Januar 1933 wurde einstimmig befürwortet, von arbeitslosen Mitgliedern nur mehr die Hälfte des Beitrages zu erheben und am 5. Februar 1933 beschloss man, „die Aufnahmegebühr den heutigen Zeitverhältnissen angemessen von 2 Mark auf 1 Mark herabzusetzen“. Im Protokoll vom 17. Februar 1934 ist vermerkt, dass man für das Abhalten einer Versammlung „jetzt eine Genehmigung braucht“.

Während dem Aufkommen des Dritten Reiches zog sich der Burschenverein Obermenzing immer mehr aus dem Vereinsleben zurück, bis er im Mai 1938 ganz zum Erliegen kam. Die wertvollen Figuren wurden in ganz Obermenzing verteilt, um den Schaden bei einem eventuellen Bombeneinschlag möglichst gering zu halten.

Erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, fanden sich im Jahr 1948 wieder Burschen zusammen um das Brauchtum zu erhalten. Auch ein Maibaum wurde wieder im Obermenzinger Dorfkern aufgestellt und hat seitdem seinen festen Platz neben dem Gasthaus „Alter Wirt” und der 600 Jahre alten Kirche „St Georg”. Dieses Ensemble wurde 1972 als eines der ersten in Bayern unter Schutz gestellt.

Durch die Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen im Laufe der Zeit musste sich der Burschenverein Obermenzing immer wieder anpassen und umstrukturieren. So wurde der Verein am 22.11.2006 unter dem Namen „Burschenverein Obermenzing e.V.“ mit der Nummer 200560 in das Vereinsregister beim Amtsgericht München -Registergericht- eingetragen. Ebenfalls wurde eine neue Satzung geschrieben, die sich historisch auf den am 6. Januar 1922 gegründeten aber bisher nicht eingetragenen Verein „Burschenverein Obermenzing“ nebst seinen Statuten vom Februar 1926 bezieht, dessen Ziele und Anliegen in zeitgemäßer Form fortgeführt werden sollen. Überdies wurde dem Verein zum 01.01.2007 die vorläufige Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt München bestätigt.

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