Geschichte

Der Maibaum ist keinesfalls eine Erfindung der Neuzeit, jedoch gibt es über seine Herkunft widersprüchliche Thesen.

Bereits in der Antike finden sich Zeugnisse, die auf ihn verweisen. So wird er in der Orientalistik mit ägyptischen und indischen Fruchtbarkeitskulturen in Verbindung gebracht.

Die Römer weihten den Monat Mai Ihrer Göttin des Wachstums, der Fruchtbarkeit und des Gedeihen der Pflanzen. Sie hieß Maia und gab dem Monat ihren Namen. Ihr Fest wurde am 1. Mai begangen. Es wurden Opfer dargebracht und Bäume als Symbol ihrer Würde aufgestellt. Der Tanz um einen zentral aufgestellten großen Maibaum gehörte zur Feier.

Die Omaha- und Ceiba-Indianer hatten ein Ritual, an dem sie einen Baumwollbaum fällten, entlaubten und rot-schwarz strichen. Dieser wurde anschließend in der Mitte des Lagers aufgestellt.

Nach keltischen Vorstellungen begann am 1.Mai der Sommer. Daher war der 1.Mai der bedeutendste Kulturfeiertag der Kelten. An diesem Tag wurden an einem Baum rituelle Blutopfer dargebracht. Als die germanische, die keltische Kultur ablöste gab es keine schneidenden Brüche in den religiösen Vorstellungen und Riten. Beide Völker waren indoeuropäisch und die Verehrung der Natur blieb bestehen und damit auch der Baumkult.

Mit der Verbreitung des Christentums wurde versucht die Natur zu „entseelen“. Nichts war mehr heilig außer Gott. Jedoch blieben die alten Mythen tief in den Bräuchen verwurzelt. So z.B. in dem ursprünglich heidnischen Christ-, Richt- und Maibaum.

Der eigentliche Maibaumbrauch ist erst ab dem 13. Jahrhundert belegbar, als er sich zum Sinnbild der Zuversicht und Hoffnung auf eine Glück bringende, fruchtbare Frühjahrs- und Sommerzeit entwickelte. Immer mehr wurde der Brauch gepflegt, sich einen heiligen Baum in die Dorfgemeinschaft zu holen, da er dort gleichsam aus nächster Nähe seine segenbringende Wirkung auf Menschen, Vieh, Felder und Gehöfte ausüben konnte. Als geeigneter Termin dafür sah man den 1. Mai an, an dem die Natur ihr erstes Grün zeigte oder zumindest vorweisen sollte. Ein Zeitpunkt, der überdies von alters her als Scheide zwischen der todbringenden kalten und der lebenspendenden warmen Jahreszeit angesehen wurde. Im 15. Jahrhundert festigte sich zusehends der Brauch des Maiensteckens. Die nicht allzu hohen Bäume wurden im Wald geschlagen. Sie wurden nicht bemalt, sondern blieben naturbelassen und erhielten bunten Bänderschmuck. Die Burschen steckten sie dann vor das Haus ihres Mädels. Größere, entrindete Baumstangen fanden als zentral errichtete Maibäume Verwendung.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurden nach einem soldatischen Brauch Maibäume regelmäßig am 1. Mai aufgestellt. Dies taten die Soldaten zu Ehren der Offiziere, Fürsten, hoher Ratsherren und angesehener Bürger. Anlässlich der Errichtung eines solchen Ehrenbaumes erhielten sie reichlich Maibier und auch andere Vergünstigungen zugesprochen.

Im 18. Jahrhundert traten erstmals die so genannten Figurenmaibäume in Erscheinung, also Maibäume, die mit handwerklichen Zunftzeichen oder mit religiösen, aber auch patriotischen Emblemen geschmückt waren.

Aber auch im 18. Jahrhundert kritisierte und bekämpfte die Obrigkeit nach wie vor das Maibaum-Brauchtum.
1760 wurde in Altbayern gefordert: “Dem zwar uralten, aber zu nichts als zur bloßen Bürger- und Bauernlust dienenden Brauch des Maibaumschlagens soll Einhalt geboten werden.”
Ab dem Jahre 1808 wurde den Gemeinden die Selbstverwaltung zuerkannt, die von eigenen Bürgermeistern getragen wurde. Daraus erwuchs rasch der Wille, auch das Gemeindeleben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Man dispensierte dabei viele Verbote aus der Aufklärungszeit und sah im Maibaum schon bald auch ein Zeichen nationalbayerischen Selbstbewusstseins. Diese Einstellung wurde nur zu gern von der Monarchie unterstützt. Gerade König Ludwig I. und König Max II. waren den alten Volksbräuchen gegenüber sehr aufgeschlossen. Ludwig I. fehlte beim Maibaumaufstellen in der Menterschwaige höchst selten.

Der Nationalstolz kam natürlich auch in der Höhe der Bäume zum Ausdruck. In der “Bavaria Landes- und Volkskunde” des Königreichs Bayern um 1860 wird der Maibaumbrauch gelobt, indem “durch das ganze oberbayerische Land ein ehrlich Dorf viel auf einen schönen Maybaum” hält. Herausgehoben werden dessen “wesentliche, unerlässliche Bestandteile; so der Maybüschel, der grüne Tannenwipfel hoch oben, der erinnern sollte, dass wir hier nicht vor einer toten Stange stehen sondern vor einem lebenden Baum aus dem … Wald.” Schon damals wurden übrigens die oft reich verzierten Bäume nicht jedes Jahr, sondern “alle drei bis fünf Jahre erneuert.”
Auch die Kirche konnte und wollte nun nicht mehr zurückstehen. Sie trat die Flucht nach vorn an und vereinnahmte den Maibaum als österliches Symbol der Erlösung und Auferstehung. (Daher auch der Hahn auf der Spitze bei manchen Maibäumen).

„… Der Obermenzinger Maibaum steht heute gegenüber der seit mindestens 1477, wenn nicht gar seit vor 1417 bestehenden Traditions-Gaststätte „Alter Wirt“ und der St.-Georgs-Kirche. Der aus den Niederlanden stammende kurfürstliche Hofmaler Peter Jakob Horemans (1700 bis 1776) porträtierte 1767 die „Johanna de Lasénce beim Kaffee im Garten“ vor einem offenen Parktor. Man nimmt an, daß die im Hintergrund dargestellte Dorfkirche die von Obermenzing ist. Davor ist ein mit Querbalken und aufgesetzten Figuren versehener Maibaum zu erkennen. War dies somit schon immer sein Standort?
Sicher ist, daß sein heutiger Platz von etwa 1800 bis 1914 dort nicht gewesen sein kann, denn der Wirt hatte hier einen „Getreidestadel mit 2 Tennen und Wagenremise“ stehen. Überliefert ist uns aus Schaehles „Die Hofmark Menzing“ (1927), dass der Maibaum einige Zeit seinen Standort auf dem heutigen Parkplatz des „Weichandhof“, ehemals „Sammer“ genannt, hatte. Der Zeitpunkt beider Standortwechsel ist leider nicht bekannt. …“

Heft 5, Jahrgang 11 „Bayerischer Heimatschutz“ vom Jahre 1913.
In diesem veröffentlichte der seinerzeitige Obermenzinger Hauptlehrer Martin Ott nachstehenden Bericht

„Maibaum in Obermenzing”
Von Hauptlehrer Ott.

„Obermenzing ist ein Vorort Münchens, der in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen hat. Die Einwohnerzahl ist von 1000 auf 2000 gestiegen. Landhäuser wachsen wie Pilze aus dem Boden und geben der Gegend das Gepräge einer Gartenstadt. Städtische Verhältnisse suchen die ländlichen immer mehr und mehr in den Hintergrund zu drängen. Um so erfreulicher ist es, wenn trotz dieser Wandlung von den Alteingesessenen die vererbten Bräuche noch hochgehalten werden.

Nach alter Burschensitte wurde am letzten Apriltag 1913 anstelle des morsch gewordenen Maibaumes ein neuer gesetzt, der alle seine Vorgänger in den Schatten stellt. In harmonischer Gliederung erhebt er sich in einer Höhe von 26 Meter. Wochenlang haben die Jungen und die Alten mit Liebe und Geschick an der bildlichen Darstellung ihrer Berufe gearbeitet. Neben der Landwirtschaft sind bereits alle Gewerbe des Dorfes vertreten: der pflügende Bauer, der Milchwagen, das Bier-, Mehl-, Kohlen- und Ziegelfuhrwerk, der Metzger mit dem Ochsen, der Wagner mit dem Rad, der Schmied mit dem Amboss und ein Strohwagen mit der Dreschmaschine. Ein Weberstuhl aus dem Jahre 1790 erinnert an ein untergegangenes Gewerbe, das in alter Zeit von den meisten Kleingütlern im Nebenberuf betrieben wurde. Weiters ist der Baum mit Modellen der Dorfkirche, des alten historischen Schlosses Blutenburg mit der gotischen Kapelle und des neuen im Vorjahre erbauten Schulhauses geschmückt. Jede Figur zeigt künstlerisches Empfinden.
Auch Zeichen königstreuer Gesinnung fehlen nicht: das bayerische Wappen und Bänder und Fähnlein in den Landesfarben. So haben unsere Jungen tatsächlich eine Dorfzierde geschaffen, die in oberbayerischen Gauen ihresgleichen sucht. Darum, ist der Maibaum aber auch der Stolz der Ortschaft und eine Sehenswürdigkeit für alle Freunde echter Volkskunst. …“

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